1908

Aus längst vergangener Zeit

 

 

Eine Aufnahme im Jahre 1908: Schützenfestnachfeier.

Rund um den § 11 (im Volksmund: Es darf weitergesoffen werden) hat sich hier beim Einsiedler in der Gerdingseite eine stattliche Zahl von Mitgliedern zur Schützenfestnachfeier zusammengefunden. Auch damals schon drehte sich vieles um das Bier. Hier sieht man es am großen Fass im Mittelpunkt der Gesellschaft, das von einem Offizier sozusagen „bewacht" wird. Aus heutiger Sicht ist bemerkenswert, dass die gefüllten Gläser schon damals einen so schönen „Feldwebel" drauf hatten.

Wenn man zur damaligen Zeit noch nicht wie heute den obligatorischen Schützenhut trug, so sieht man aber an der Kopfbedeckung, dass es sich auch bei einer Schützenfest-nachfeier um einen festlichen Akt handelte.

Bei dem, links im Bild, mit der Königskette geschmückten Schützen handelt es sich um Gerhard Hörmann von der Nienborger Straße, der in diesem Jahre mit seiner Frau Maria geb. Luke das Königspaar bildete.

An dieser Stelle scheint es sicher erwähnenswert zu sein, dass Gerhard Hörmann von 1922 bis 1925 den Posten des ranghöchsten Offiziers, nämlich den des Oberst, bekleidete. Sein Name, „Rudden Gerdken" im plattdeutschen Gebrauch, muss wohl ein Begriff gewesen sein. Ältere Schützenbrüder wissen noch sehr wohl darüber zu berichten, dass er aufgrund seiner „kleinen Körpergröße" Schwierigkeiten an den Schützenfesttagen hatte, wenn er sein Pferd besteigen musste. Mit Schmunzeln hört man von denen, die es noch miterlebt haben: „Wenn Rudden Gerdken up't Peerd moß, dann wöer em imme ne' Leätter dran satt, un dann kleien he drupp." An amüsanten Leuten und Ereignissen hat es also auch schon früher nicht gefehlt. Dieses Beispiel bereichert aber auch unsere Lebensweisheit, nämlich in der Feststellung, dass es „kleine Leute" immer schwer haben, wenn sie „hohe Posten" bekleiden! ? ! Nun zurück zum Bild!

Der Fähnrich ganz rechts im Bild mit unserer alten Schützenfahne ist Hermann Albers. Sein Sohn Hermann hat 1925 dass Amt des Fährich von ihm übernommen und 50 Jahre vorbildlich ausgeführt.  Und wenn man noch feststellen darf, dass unser jetziger Ehrengeneral Hermann Albers seit 1958 dem Offizierskorps angehört, braucht man nicht mehr zu erwähnen, dass in dieser Familie der Schützengeist eine lange Tradition hat und hoffentlich noch haben wird.

Rechts im Bild sitzend ist Anton Albers, der Großvater des jetzigen Gastwirtes Anton Albers, mit seinen Kindern August und Maria. Sitzend ganz links ist Hubert Kamp von der Nienborger Straße, der damals einen Bierverlag hatte. Am Haus befand sich ein Eiskeller, in dem das Eis zum Kühlen der Getränke und für andere Zwecke in großen Stücken aufbewahrt wurde. Wie berichtet wird, wurde das Eis zum Teil im Winter von der nahegelegenen Dinkel geholt und sozusagen „eingelagert".

Der vierte Schütze in der unteren Reihe ist Beckhelling, die auf der Ammert in der Lieftucht vom Bauern Eveld wohnten. Man nannte dieses Haus „Peättenhues". Der nächste ist Heinrich Herking und auf der anderen Seite vom Fass Hermann Herking. Ersterer ist der Vater unseres jetzigen Ehrenoffiziers Franz Herking. Auch er hat zu seiner Zeit mehrere Jahre diesen Posten innegehabt. Die beiden Herren mit Strohut neben dem Offizier sind Bernhard Möllenkotte, im 1. Weltkrieg gefallen und Wilhelm Eveld. Stehend auf dem Bild links mit Bierteller ist Hermann Beunink, die Frau mit dem Kind dessen Ehefrau Johanna geb. Albers.

Zwischen beiden Personen steht Großmutter Katharina Albers geb. Niehues, gebürtige Holländerin.

Über der Eingangstür steht geschrieben: Schenkwirtschaft Johann Fannos gt. Albers.

Nach dem Tode des Vorgängers Bernhard Albers war Johann Fannos, der aus Brilon kam, der Mann in zweiter Ehe. 

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